Donnerstag, 23.06. / Tag 05

 

Angesichts der Erlebnisse am gestrigen Abend waren wir nicht unbedingt wirklich in Euphorie auf San Francisco. Wir schliefen somit erstmal bis um 10 Uhr aus und machten uns dann nach einem Frühstück aus Sandwichbrot, Erdnussbutter und Marmelade zu unserem selbstgemachten Kaffee, den allerdings nur Jana genießbar empfand, erstmal mit dem Auto auf, den 49-Mile-Drive abzufahren, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mal im Überblick zu haben und uns etwas orientieren zu können.

Hier eine Übersicht des 49 Mile Drives:

Nachdem uns die Route des Drives zweimal in eine Einbahnstrasse locken wollte, entdeckten wir, dass man diesen Drive nur in 1 Richtung fahren konnte. Also wieder umdrehen und in die andere Richtung. Hier gings dann auch recht unproblematisch. Die Navigation war dank der Karten, die wir hatten, einigermaßen problemlos möglich, später sahen wir dann sogar die Schilder mit der weißen Möwe, die den Drive ausweisen. Nichtsdestotrotz ist der 49 Mile Drive ohne Karte absolut keine Empfehlung wert, denn wieder mal musste wir feststellen, dass Schilder an Stellen, wo es nur geradeaus geht stehen, aber keine Schilder an Stellen zu finden sind, an denen man abbiegen muss. Unsere Karte hatte ich vorher aus dem Internet ausgedruckt, man soll sie aber auch an vielen Stellen in San Francisco bekommen.

Wir hatten noch keine grossartige Strecke zurückgelegt, kam gleich der nächste, dieses mal aber wirklich aufregende Schock. Auf eine Ampel zufahrend hörte ich plözlich von hinten eine Sirene – und zwar nicht so wie man sich das in Deutschland vorstellt, sondern deutlich lauter und so wie man das aus amerikanischen Filmen kennt. Kein Tatütata, sondern eher wie einer Flugalarmsirene. Und diese Feuerwehrsirene, als was sich das Heulen hinter uns herausstellte, hatte auch in etwa dieselbe Lautstärke wie solch eine Flugalarmsirene ;) und dann sah ich diesen echt bedrohlich großen LKW schon direkt im Rückspiegel, mehr oder weniger direkt hinter mehr. Also schnell noch über die Kreuzung drüber, über die ich gerade fuhr und nach ein paar Metern rechts am Straßenrand gehalten. Der Löschzug fuhr aber nicht direkt an mir vorbei, sondern benutzte die große Kreuzung zum Wenden. 3-4 Feuerwehrmänner sprangen sofort ab und machten die Straße, in der wir am Rand standen nun für den rückwärts in diese Straße einfahrenden Löschzug frei. Sie liefen im Eilschritt ein paar Meter vor dem Löschzug vorbei, wir beobachteten dieses Spektakel vom Seitenstreifen und waren absolut fasziniert. Als der auf unserer Seite laufende Firefighter uns im laufenden Auto sitzend sah, rief er gleichmal provisorisch, dass wir doch stehen bleiben sollten. Wie es im Film nicht hätte besser inszeniert sein hätte können, passierte der noch rückwärtsfahrende Zug unser Auto und fuhr zur Einsatzstelle, etwa 100 m vor uns, wo schon einige andere Löschzüge hielten. Feuer sahen wir zwar nicht, aber es war doch schon ganz schön was los.

Wir standen nun in dieser Einbahnstrasse und konnten ja eigentlich jetzt nur weiter fahren. Da vorne war aber die Einsatzstelle. Also fuhren wir erstmal vorsichtig aus der Parklücke heraus um zu schauen, ob wir da irgendwie vorbeikamen, ohne den Einsatz zustören. Kann mir gut vorstellen, dass die Firefighter das nicht so lustig finden, wenn man deren Einsatz behindert. Aber nein, wir hatten Glück. Die linkeste Spur der 4-oder 5-spurigen Strasse war freigegeben, um daran vorbeizufahren. Also fuhren wir vorsichtig daran vorbei und nutzen die Gelegenheit einige der Fahrzeuge mal ganz aus der Nähe zu fotografieren.

Dann gings weiter, vorbei am Union Square bis zum Fishermans Wharf, dort entlang der Küste Richtung Westen, am Maritime Museum vorbei, wo wir zum ersten Mal die Golden Gate sahen. Sie lag zwar noch halb im Nebel, aber ein toller Anblick war es schon, diese Brücke, die man von Fotos und Filmaufnahmen schon fast in und auswendig kennt, nun tatsächlich mal nicht nur auf einem Foto oder im Fernsehen zu sehen. Wahnsinn.

Aber erstmal machten wir einen kleinen Abstecher in einen Safeway, einen Supermarkt. Dort stellten wir dann fest, wie unterschiedlich Preise in den Supermärkten sein können in den USA. Mit einer Safeway-Karte hat man bei einigen ausgewählten Artikeln richtig enorm Sparpotential, aber da wir keine hatten, mussten wir die normalen Preise bezahlen. Okay, wir hätten auch die Karte holen können, aber da wir eigentlich ja nur ein paar Kleinigkeiten kaufen wollten, war uns das zu viel Stress. Und wir fanden hier Preise, die in etwa das 4-fache waren von dem, was wir bei Walmart in Las Vegas bezahlt hatten. Am Ausgang holten wir uns noch einen großen Sandwich.

Zurück am Auto verstauten wir unseren Einkauf und machten uns weiter daran, den Drive abzufahren. Wir passierten das Exploratorium, verfuhren uns an einer mal wieder nicht beschilderten Abzweigung, wodurch wir ein Stückchen durch eine Pinienallee. War der Hammer wie stark das geduftet hat. Am Ende dort dann umgedreht und wieder unter Zuhilfenahme der Karte die Route wieder gefunden. Vorbei an einer alten Militärkaserne vor der noch alte Kanonen ausgestellt waren. Auch ein Kriegsgräberfriedhof war nebenan.

Dann ging’s vom Scenic Drive ein paar Meter ab, da wir erstmal direkt an die Golden Gate wollten, bevor wir weiterfahren. Wir zweigten also zum Fort Point am südlichen Fuß der Golden Gate.
Dort parkten wir unseren Mustang und genossen erstmal den Ausblick auf diese Weltberühmtheit. Auch wenn das Wetter alles andere als wundervoll war, so wundervoll war dennoch der Anblick dieser Brücke. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir realisierten, dass wir diese Brücke wirklich live vor uns hatten, dieser bekannte Anblick nun auch die Realität war. Wir packten unser Sandwich aus und aßen erstmal was. Dabei musste die Kamera ständig ackern. Wir machten einige Fotos von der Brücke, von uns, von den Möwen, die uns dort begegneten. Und aber wirklich leckeres Sandwich bekamen sie nicht ;) Hier sehen wir auch einen „Cable-Car Bus“. Diese machen Stadtrundfahrten durch San Francisco, ebenso wie umgebaute alte Feuerwehrautos.

Nach bestimmt einer Stunde an diesem Aussichtspunkt machten wir uns auf den weiteren Weg über den 49 Mile Drive, aber wir schafften es nur ein paar Meter bis zum nächsten Aussichtspunkt, nun oberhalb der Brücke. Dort fanden wir auf dem Weg zum Aussichtspunkt herrliche duftende Gräser, sogar 1,50 m hohen Dill haben wir gesehen. Und geduftet hat er. Und ein paar Meter weiter fanden wir Eukalyptus. Was uns an dem Parkplatz zu diesem Aussichtspunkt extrem aufgefallen ist, dass man den Amis offensichtlich wirklich alles ausdrücklich sagen muss, was für uns eigentlich selbstverständlich ist. Hier stand beispielsweise ganz ausdrücklich, dass man sein Auto zuschließen sollte. Solche Schilder haben wir im Laufe unserer Reise auch immer wieder gesehen, und zwar nicht vereinzelt einmal am Parkplatz, sondern alle paar Meter, damit es auch jeder 5 mal liest und dann sein Auto zuschließt oder so ;)

Wir fuhren nun entlang der Pazifikküste, machten immer mal wieder Fotos. Dann kamen wir in ein sehr edles Wohngebiet mit wunderschönen Häusern. Wobei diese in San Francisco ja sowieso eigentlich alle wunderschön waren ;) Dann kamen wir an der „Legion of Honor“ vorbei, einem der bekanntesten Museen San Franciscos. Es wurde zu Ehren der 3600 in Frankreich im 1. Weltkrieg gefallenen amerikanischen Soldaten erbaut und stellt eine im Maßstab 3:4 Adaption des Palais de la Légion d’Honneur in Paris dar. Wir beschränkten uns aber auf die Ansicht von außen und fuhren dann weiter am Cliff House vorbei und hielten am Ocean Beach.

Hier stiegen wir aus, zogen unsere Schuhe aus und liefen zum ersten Mal ganz zum Pazifik. Das Wasser war wirklich eiskalt, mehr als 15 Grad hatte es nicht. Nach nur wenigen Minuten liefen wir mit absolut durchgefrorenen Füßen wieder zurück zum Auto, wo wir erstmal den Sand zwischen den Zehen pulten und unsere Schuhe wieder anzogen. Den Spass, den wir trotzdem am Wasser hatten, kann man aber auf den Bildern sicherlich erkennen. ;)

Wir fuhren dann den Ocean Beach weiter entlang Richtung Süden, den sog. „Great Highway“ entlang, bis unsere Route dann wieder kehrt machte und uns Richtung Golden Gate Park wieder nach Norden führte. Auf dem Weg dorthin sahen wir noch einen Unfall, bei dem die Feuerwehr gleich mit einigen Mann da war und gleich ein ganzes Stück Straße gesperrt worden war, ein paar Meter weiter stand auf dem Grünstreifen ein kaputtes Auto, indem offensichtlich jemand wohnte. Insgesamt sahen wir dieses im Laufe unserer Reise immer wieder, wie verbeulte Autos irgendwo auf einer Grünfläche ein Zuhause für Homeless darstellte.

Der Golden Gate Park ansich ist wirklich sehr schön. Zwar ist auch hier die Beschilderung des Drives wieder mal völlig unzureichend gewesen, aber so hatten wir wenigstens auf der Suche nach der Route eine hübsche Umgebung ;) Vorbei an schönen Seen und dem chinesischen Pavillon und 2 Baseballfeldern verliessen wir den Golden Gate Park wieder, fuhren an der UCSF (University of California, San Francisco) vorbei, wo wir einen Hot-Dog-Wagen sahen, wie man ihn eben aus US-Filmen kennt.

Im weiteren Verlauf führte uns die Route nun auf die weltberühmten Twin Peaks. Von dort oben hätte man San Francisco bei gutem Wetter in sicherlich wundervoller Aussicht betrachten können. Die hatten wir aber nicht. Nun gut, ein Weilchen sind wir trotzdem da oben geblieben, wo uns der Wind eiskalt um die Ohren pfiff. Unsere Aussicht könnt ihr ja auf den Bildern sehen, unter anderem auch der im Nebel stehende Funkmast dortoben.

Dann ging die Route wieder in die Stadt hinein, am Embarcadero dem Bayufer entlang, wo wir noch ein paar Fotos der Oakland Bay Bridge schießen konnten, die ja eigentlich die wesentlich größere Brücke in San Francisco ist, aber trotzdem die weitaus Unbekanntere. Und sie hat ein paar Gimmicks, die wir erst am nächsten Tag auf unserem Weg aus der Stadt heraus kennenlernen sollten, aber dazu morgen mehr ;)

Entlang des Hafens gings weiter und nach dem Pier 1 zweigte unsere Route, dieses Mal sogar wirklich von einem Schild angekündigt, wieder in Richtung Downtown ab. Vorbei gings an Hochhäusern und der Transamerica Pyramid, einem der Wahrzeichen von San Francisco. Die Gelegenheit, diese Gegend mal zu Fuß genauer zu erkunden, bot sich in diesen 3 viel zu kurzen Tagen unseres Aufenthalts in San Francisco leider nicht, denn San Francisco bietet einfach viel zu viel. Und an so vielen Ecken hätte man einfach Lust, das Auto hinzustellen, und mal um den Block zu laufen, nur um zu sehen, was dort noch ist. San Francisco macht einfach neugierig, mit jedem Meter, den man sich mehr in der Stadt bewegt. Mittlerweile hatte uns der Charme dieser Stadt gepackt, von der ernüchternden Stimmung unserer Ankunft am Vorabend war nichts mehr zu spüren.

In Downtown entdeckten wir auch ein Auto mit zu dieser Stadt ja wirklich passendem Kennzeichen ;)

An einer Tankstelle, die jedoch unsere Kreditkarte einfach nicht mochte, beschlossen wir was zu essen, da dort ein Burger King vorzufinden war. Prinzipiell schmeckte das Essen bei BK etwa so wie in Deutschland, wenngleich die Portionen bei einem großen Menü hier in USA natürlich etwas größer sind ;)

Was uns ganz besonders gut gefallen hat war auch, dass man Ketchup oder jegliche Saucen im Überfluss für lau dazubekommt, nicht so wie in D, wo ich jede Süßsauersoße teuer bezahlen muss.

Vor dem Eingang des Ladens standen 2 Homeless, die sich gegenseitig wirklich sehr lautstark beschimpften und quasi jeden nach Essen anschnorrten. Einige Leute im Lokal diskutierten schon, wie lange es noch dauern würde, bis die Polizei kommen würde. Kurz bevor wir aber wieder gingen, hatte sich dann jemand gefunden, der ihnen was gegeben hat und sie zogen ab. Wir holten uns noch einen unserer in Las Vegas so geliebten Mint Mocha Chips bei Starbucks, wo wir feststellten, dass dies in San Francisco irgendwie viel billiger ist als in den Hotels in Vegas. Dafür schmeckte aber leider auch der Kaffee nicht so gut...

Jetzt machten wir uns noch auf den Weg zum Alamo Square. Eine berühmte Reihe von viktorianischen Häusern, die sog. „postcard row“ wollte ich auch fotografiert haben. Auf dem Weg dorthin stellten wir dann wieder fest, dass nicht alle Gegenden Amerikas wirklich so sicher sein dürften, es waren ausschließlich Schwarze in der Gegend, teilweise lag wieder Müll auf der Strasse und Leute sah man kaum, dafür viele geschlossene Fensterläden und so. Also so richtig unsicher war das vielleicht ja gar nicht, aber ein bisschen mulmig ist einem da einfach. Ist einfach halt ein als Mitteleuropäer irgendwie ungewohntes Gefühl, solche Gegenden gibt’s bei uns eigentlich nicht wirklich, selbst in Gegenden mit hoher Kriminalität fühlt man sich da hier irgendwie sicherer.

Am Alamo Square angekommen fanden wir keinen Parkplatz. Auf einer Bushaltestelle zu parken war uns mit dem Mietwagen nicht so geheuer. Wir umkreisten den Block und die nähere Umgebung 2 mal und beschlossen dann einfach am nächsten Morgen nochmal herzukommen, um dann vielleicht mehr Glück zu haben, immerhin wars dann doch schon etwas später und die meisten Leute die hier wohnten wahrscheinlich schon zuhause. Wir machten uns also auf den Weg zurück zum Hotel, ein bisschen mulmig war uns bei Nacht schon noch. Daher beließen wir es heute damit, in der Hotellobby noch etwas zu shoppen (u.a. ein SF-Pulli für Jana) und auf dem Hotelzimmer Postkarten zu schreiben und ein bisschen fernzusehen. So langsam gefielen uns die amerikanischen Serien im Originalton immer besser, zumal wir mittlerweile auch die undeutlicheren Akteure verstanden ;) Und durch den Originalton bekommen ja auch die Personen teilweise andere Charaktere als in der synchronisierten deutschen Version.

 

 

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