Freitag, 24.06. / Tag 06

 

Am nächsten Morgen gings weiter. Erstmal noch mit dem Auto. Heute hatten wir nachmittags einen Besuch von Zapco in Modesto geplant. Laut John Borges, dem Chef von Zapco etwa 1,5 Stunden zu fahren und zur Uhrzeit, zu der wir fahren wollten eigentlich unproblematisch vom Verkehr her.

Doch den Vormittag verbrachten wir noch in San Francisco. Den Alamo Square besuchten wir gleich zu Beginn. Heute massig freie Parkplätze, doch blöderweise ist dort Freitag morgens 2 Stunden lang Parkverbot wegen Strassenreinigung. Also wieder um den Block gekurvt und nix gefunden. Mist!
Da das Bild aber an sich ja nicht so lang dauerte, beschlossen wir, unser Auto an einer Stelle hinter einem anderen parkenden Auto an den Strassenrand zu stellen und Jana blieb in der Nähe. Ich lief also hoch zu der Stelle, wo
man die besten Fotos dort macht und knipste. Als ich wieder zurückgelaufen war und wir uns ins Auto gesetzt hatten, kam hinter uns schon eines dieser kleinen Police-Golfbuggys, in denen die Strafzettelverteiler dort überall
rumfahren, angefahren. Also schnell Blinker raus und losgefahren. Eines hielt hinter dem anderen Auto, das ja noch dort stand, eines fuhr uns noch 2 Blocks hinterher. Es machte aber keine Anzeichen, uns anhalten zu wollen, also hielten wir auch nicht. Nach diesen 2 Blocks hielt es dann bei einem anderen Falschparker. Glück gehabt.

Dann gings zur Lombard Street. Diese "steilste Straße der Welt" ist auch eine der bekanntesten und meist fotografierten Stellen San Franciscos. Da dort leider Stau war, standen wir bei unserer Durchfahrt mehr als das wir fuhren, aber trotzdem war es ein Erlebnis und Fotos machen geht im Stand sowieso einfacher als im Fahren ;)
Unten hielten wir ein paar Meter weiter am Straßenrand an, parken unser Auto und gingen zu Fuß nochmal zum unteren Ende der Straße, um noch ein paar Fotos zu schiessen.

Dann gings mal wieder zur Golden Gate. Heute wollten wir mal über die Brücke fahren und die eigentlich viel aussichtsträchtigere Nordseite besichtigen.
Wie bei allen Brücken hier in der Bay ist die Ausfahrt erstmal kostenlos, nur wenn man nach SF rein will, muss man Brückenmaut bezahlen. Gleich am Fuße der Brücke auf der Nordseite liegt ein Vista Point, an dem wir hielten. Von einen älteren Mann bekamen wir, wie schon öfters hier erlebt, ein Lob für unser tolles Auto, auch wenn es hier noch etwa 4-5 andere 2005er Mustang Cabrios auf dem Parkplatz gab. Hier war recht viel los und der Ausblick zwar nett, aber nicht wirklich zufrieden stellend. Auch lag die GG noch stellenweise im Nebel.

Also machten wir uns auf die Suche nach den Stellen, wo wir schon so viele Fotos der GG gesehen hatten, die alle etwas aus der Höhe geschossen waren. Wir fuhren also einfach mal quer durchs Hinterland bis ganz auf die höchstmögliche mit dem Auto zugängige Stelle nördlich der GG. Doch hier waren wir quasi voll im Nebel. Stück für Stück arbeiteten wir uns den Berg hinunter und der Nebel lichtete sich. Außerdem änderte sich auch gerade das Wetter, sodass die GG nun immer weniger im Nebel lag und die Wolken sich auch stärker lichteten.

An einer guten und uns schon von Fotos bekannten Stelle machten wir nun erstmal Halt und packten ein paar vorher gekaufte Muffins aus. Hier begegneten wir dann auch einer Motorradgruppe aus unterschiedlichen Ländern, unter anderem waren hier auch einige Deutsche dabei. Einer davon hatte sogar eine große 1860 München Fahne an seiner Harley angebracht.

Nachdem wir hier ein Weilchen waren, entdeckten wir, dass man auf dem weiter unten liegenden Hügel auch bis ganz nach vorne laufen konnte und man von dort sicherlich auch eine gute Aussicht haben würde. Also fuhren wir noch mal ein Stückchen weiter runter und liefen bis vorne an die, uns dann als "Battery Spencer" bekanntgemachte, befestigte Anlage. Diese Anlage wurde kurz vor der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jh. gebaut. Um die Bay zu schützen. Sie war mit 2 großen Artilleriegeschützen bestückt, wurde bis in die Mitte des zweiten Weltkrieges als Schutz vor den Japanern nach ihrem Angriff auf Pearl Harbor genutzt.

Vor dort vorne, wo es übrigens wirklich SEHR windig war, schossen wir jede Menge Fotos und auch dort blieben wir noch mal eine ganze Weile, um die Aussicht zu genießen.

Hier fanden wir eine sehr interessante Tafel mit Daten zur Golden Gate:


- 66 m = Durchfahrtshöhe unter der Brücke, sodass auch größere Schiffe diese passieren können.

- 224 m = Höhe der beiden Türme. Sie sind damit das drittgrößte Bauwerk in San Francisco (nach der Transamerica Pyramid und dem Bank of America Building)

- 1260 m = Spannweite zwischen der Brücke zwischen den beiden Türmen. Bis 1964 war die Golden Gate die längste Hängebrücke der Welt.

- 2295 m = jeweilige Länge der beiden Hauptkabel entlang der Seiten den Brücke. Jedes ist hierbei 93 cm dick.

- 128000 km = gesamte Seillänge aller Seile, die innerhalb der Hauptkabel enthalten sind. Würde also über dreimal um die Welt gespannt werden können.

- 8 m = Auslenkung, die die Brücke, in der Mitte der Aufhängung in jede Richtung schwanken kann.

- 3 m = Auslenkung, die die Straße unter Temperatur- oder Belastungseinfluß durchhängen kann.

- 1915000 kg = Gewicht des in der Brücke verbauten Stahls.

- 600000 Nieten, die in der Brücke verbaut wurden.

- 27 Jahre = Dauer, die es benötigt um die Brücke komplett neu zu streichen. Seit 1937 wurde dies erst einmal gemacht. Die stellenweise Ausbesserung der Farbe prinzipiell ist ausreichend um die Korrosion der Brücke zu verhindern.

Dann gings wieder weiter, über die Golden Gate nach San Francisco wieder rein. Jetzt am Ende der Brücke 5 $ Toll bezahlt und diesesmal die schnelle Route durch San Francisco gewählt, die 101 entlang. Wir wollten ja nun zu Zapco. Wir kamen an einem für uns Deutsche wirklich sehr lustigen Werbeplakat für "St.Pauli Girl" Bier vorbei. Prinzipiell ist deutsches Bier in USA ja nicht so wirklich außergewöhnlich, aber doch, dass es Bier gibt, welches "St. Pauli Girl" heisst, in Bremen gebraut werden soll und gleichzeitg noch dazu eine Frau in einem blau-weißen Dirndl auf dem Label hat... da haben die Amis halt mal wieder alle Klischees über Deutschland zusammengemischt und wahrscheinlich verkaufen sie das sogar ganz gut ;)
Die andere Kuriosität war, dass es dort auch T-Mobile gibt. An sich auch nichts außergewöhnliches, ist halt ein Global Player. Aber was wir lustig fanden, war, dass wir hier in Deutschland den Namen so amerikanisch wie möglich "Ti-Mobail" aussprechen, während die Amis ganz einfach nur schlicht "Ti-Mobill" dazu sagen.
Und ein "holzfarbenes" Auto sahen wir auch noch. Wir hatten das früher in diversen US-Filmen gesehen und waren einfach begeistert, dies dann auch mal in Realität zu sehen.

Auf der Oakland Bay Bridge stellten wir dann fest, dass diese doppelstöckig gebaut war. Das heißt: In die Stadt reinwärts durfte man oben fahren, rauswärts gings dann im unteren Stock. Jeweils 5-spurig, gerade deswegen war wohl eine doppelstöckige Konstruktion sinnvoller und vor allem wohl auch billiger als eine 10 Spuren breite Brücke.

In der Mitte der Bay befindet sich Treasure Island, eine Insel, die auch einen Militärstützpunkt beinhalten. Darüber führt auch die Oakland Bay Bridge. Wir beschlossen hier einmal abzufahren. Dies war sehr ungewohnt, da hier die linkeste Spur die Abbiegespur war. Und die Ausfahrt ja so was von kurz, dass wir in der Kurve richtig heftig bremsen mussten.

Wir versuchten dann zuerst auf den Hügel auf der Insel zu kommen, von dort oben sieht man aber nicht wirklich etwas. Also fuhren wir wieder runter und wurden durch einen wirklich sehr schönen Blick auf die Skyline von SF und die Bay entschädigt.

Unsere Weiterfahrt nach Modesto vollzog sich dann leider doch nicht so einfach wie von John bestätigt. Wir fuhren relativ viel im dichten Verkehr (kein Stau, sondern Stop&Go). Statt der 1,5 Stunden benötigten wir so fast 3, sodass wir erst nach 15 Uhr in Modesto angekommen waren.

John zeigt uns die Fabrik und wir machten viele Fotos. Dabei lernten wir auch einen seiner Mitarbeiter kennen, dessen Eltern aus Deutschland sind und der sie auch immer wieder besucht. Er hatte auch eine deutsche Frau.

Auch zeigt uns John seine neueste Errungeschaft. Die neue Reference-Digital Serie. Ein Amp, der einen DSP integriert hat, der die Funktionen einer ultramodernen High-End-Headunit locker übersteigt. 10 Band aramterischer EQ, eine Aktivweiche mit einstellbaren Filtercharakteristiken und und und… und das alles entweder durch das externe Display oder über eine PC-Software steuerbar.

Auch unterhielten wir uns über das tolle Satellitenradio, welches wir ja in unserem Mustang hatten und welches wir auf unserer insgesamt 5800 km langen Tour ohne notwendigen Senderwechsel wirklich zu schätzen gelernt hatten. Oder über meine PDA-Navi, die uns ja recht gut durch Modesto geführt hatte. John kannte so was gar nicht. Ist offensichtlich dort drüben auch gar nicht üblich, wir haben so was auch in keinem anderen Auto gesehen. Sehr interessant fand er es aber trotzdem.

Nachdem stück für stück dann alle anderen Mitarbeiter Zapcos schon in den Feierabend gegangen waren, machten wir uns dann auch auf den Weg, wir wollten John, der ja auch immerhin noch 1 Stunden zu fahren hatte bis zu seinem Haus, nicht am Freitag Abend zu lange in der Firma halten. Als wir losfuhren, fuhr er noch sein Auto vom Parkplatz hinten nach vorne. Ist auch ein nettes Auto, auch wenn er neidisch auf Anselm ist, da es in USA keinen Type R vom Civic gibt. Und das in USA, wo die meisten Autos eigentlich NUR in den größten bei uns erhältlichen Motorisierungen zu bekommen sind.

Die in USA verkauften Motorisierungen sind sowieso ein Fall für sich. Beim BMW 3er ist beispielsweise der 325 das kleinste dort verkaufte Modell. Bei der E-Klasse fängt es mit dem E 320 an. Bei Subaru haben wir eigentlich nur WRX-Modelle vom Impreza gesehen…und das nicht gerade wenige.
Interessanterweise kosteten auch die deutschen Autos hier klar weniger als bei uns. Und das, obwohl sie doch sogar erstmal noch exportiert werden müssen. Interessante Preispolitik mal wieder ;) Aber die Amis können mit kleinen Motoren offensichtlich wirklich nicht klarkommen. Ist ja schon faszinierend, in einem Land, indem keiner schneller als mal (wenns hochkommt) 150 km/h fährt, gibt's nur Autos, die so übermotorisiert sind, dass sie das anderthalbfache fahren könnten.

Nach einem kleinen „Umweg“ durch Modesto (und wiedermal einer Tour durch die nicht wirklich nettesten Gegenden), machten wir doch wieder das Navi an und ließen uns von ihm auf die Interstate lotsen. Dabei stellen wir dann fest, dass wir auf dem Rückweg eigentlich nur einmal falsch bzw. nicht abgebogen waren. Entlang des Interstate fahrend bekamen wir aber Hunger, sodass wir uns entschlossen, bei einem "Denny's Diner", welches uns nach 50s-Style klang, rauszufahren und dort etwas essen zu gehen.

Und wir lagen richtig, es war ein 50s Diner. Mit schönen roten ledergepolsterten Sitzbänken. Die Bedienung war zwar teilweise etwas schwer verständlich, aber selbst für US-Verhältnisse unheimlich freundlich. Nach einem unglaublich guten Burger für mich und einem hammerguten Sandwich für Jana (der allerdings wie ein Burger aussah - der einzige Grund, warum das Teil nicht Burger hieß, ist weil kein Rindfleisch drauf war).

Als Nachtisch aß ich einen Brownie mit Schokosoße, den ich nichtmal zur Hälfte schaffen und Jana einen Erdnussbutterkuchen, den sie auch nicht weiter schaffte. Beides war superlecker, aber unheimlich schwer. Wahrscheinlich hatte unser Nachtisch das Doppelte an Kalorien wie unsere beiden Burger zusammen. Wir ließen und die Desserts einpacken und machten uns auf den Heimweg.

Auf dem Weg nach San Francisco zurück sahen wir noch einen schönen Sonnenuntergang. Im halbdunkeln gings wieder über die Oakland Bay Bridge.

Durch San Francisco fuhren wir wieder bis zur Golden Gate. Hier wollten wir nun noch ein paar Nachtfotos der Brücke schießen, was uns offensichtlich dank unseres extra für den Urlaub gekauften Stativs gelang ;)

 

 

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