Donnerstag, 30.06. / Tag 12

Am Morgen gings nun erstmal in die Rezeption. Wir waren ja noch nicht offiziell eingecheckt, also machte ich das noch während Jana die Koffer packte. Die Frau an der Rezeption des Kokopelli Inn war wohl die Besitzerin selbst und war sehr freundlich, was, wie wir im späteren Verlauf noch feststellen mussten nicht selbstverständlich war für eine Navajo, eine Nachfahrin der Ureinwohner. Ich hatte dort sogar einen der angenehmsten und interessantesten „Smalltalks“ unseres Urlaubs.

Dann ging es aber los, von Bluff aus war es nicht weit bis zum Gooseneck State Park. Diesen konnte man über eine von der Straße nach Mexican Hat ausgehende Stichstraße erreichen. An dem Aussichtspunkt konnte man nun diese sog. „Schwanenhälse“ besichtigen, auf denen der San Juan River auf einer Entfernung von 1 Meile Luftlinie 6 Meilen Flusslauf zurücklegt.

Dann gings weiter, an Mexican Hat und dem gleichnamigen Felsen vorbei bis zum Monument Valley.

Das Monument Valley hat einen Sonderstatus. Es ist kein Nationalpark, sondern komplett unter Navajo-Verwaltung. Das heisst zwar, dass alle Eintritte dort direkt den Indianern zugute kommen, was die damit aber anfangen, ist eher zweifelhaft. Im Gegensatz zu den Nationalparks, wo man genau bemerkt, dass das eingenommene Geld auch direkt in die Infrastuktur des Parkes geht, geht das eingenommene Geld im MV hauptsächlich direkt in die Taschen der Navajos. Straßen oder ähnliches werden dafür nicht gebaut.

Ich verstehe ja schon, dass den Navajos wie den meisten anderen Indianern Schlimmes zugefügt wurde, allerdings scheint es wohl so zu sein, dass sie dafür allen Weißen bis in alle Ewigkeit böse sein zu wollen. Zumindest von außen sah es für uns eher so aus, dass die Navajos so ziemlich das unfreundlichste und gleichzeitig auch geldgierigste uns bekannte Völkchen war.

Am Eingang des Monument Valley bezahlten wir also erstmal unsere 5$ Eintritt pro Person. Dafür durften wir dann die 17 Meilen lange Schleife durch das Monument Valley mit dem eigenen Auto abfahren. Es gab auch jede Menge geführte Touren, die jedoch nochmal extra kosteten. Nach einigen Fotos am Visitor Center fuhren wir von der Anhöhe am Visitor Center in das Tal des Monument Valley ein. Weit kamen wir jedoch nicht. Nachdem wir in den Tagen zuvor schon ein paar Mal sehr unangenehme Bekanntschaften mit der (für deutsche Verhältnisse eigentlich völlig unkritische) Unterbodenfreiheit unseres Mustangs gemacht haben und wir auf dieser Holperpiste fast ständig großen Steinvorsprüngen im Boden ausweichen mussten, entschlossen wir uns nach etwa 3 Meilen wieder umzukehren. Nicht zuletzt auch darum, weil in einem Schadensfall wir selbst komplett für den Schaden hätten haften müssen, da das Befahren von ungeteerten Strassen bei Mietwägen grundsätzlich verboten bzw. auf eigene Gefahr ist.

Hier wäre ein Auto mit mehr Bodenfreiheit besser gewesen – wobei wir es vielleicht auch durchgezogen hätten, wenn wir die Tage zuvor nicht ein paar Mal böse aufgesessen waren – einmal wegen einem simplen Stein auf der Fahrbahn, von dem wir nie gedacht hätten, dass er unserem Auto gefährlich hätte werden können und einmal beim Herunterfahren eines Bordsteines, wo das Auto nur noch auf der Karosserie und den Hinterrädern stand. Glücklicherweise hatten wir Heckantrieb, sodass wir das Auto wieder zum Fahren bekommen haben,der Schock war aber trotzdem da und wir ab diesem Zeitpunkt einfach vorsichtiger.

Nachdem wir das Monument Valley verlassen hatten gings nun weiter Richtung Page. Dazu mussten wir erstmal bis nach Kayenta, wo wir was aßen. Durch eine faszinierende Landschaft, die Jana aufgrund der kurzen Nacht und ihrer daraus resultierenden Müdigkeit jedoch nur sporadisch mitbekommen hatte, kamen wir bald zum Antelope Canyon.

Von diesem Canyon gibt es 2 Teile, nämlich den Upper und den Lower. Der Upper ist breiter und durch die sog. „Beams“ bekannt, in denen der in den Canyon rieselnde Sand durch die Sonne angeleuchtet wird und so die einzelnen Sonnenstrahlen „sichtbar“ macht. Dieser Upper Antelope Canyon ist jedoch nur mit einem Navajo-Führer und somit auch nur zeitbegrenzt und in der Gruppe erkundbar. Außerdem sind diese Beams vor allem in der Mittagzeit interessant, wenn die Sonne hoch steht und direkt bis auf dem Boden in den Canyon scheint.Da es aber schon Nachmittag war, wäre diese Hauptattraktion wohl nicht mehr so toll zu sehen gewesen. Wir entschlossen uns also für den Lower Antelope Canyon und auch im Nachhinein schien das wohl die richtige Wahl gewesen zu sein.

Die 17,50 $ Eintritt, die man am Eingang pro Person abdrücken muss, sind zwar echt heftig für eine 400 m lange Steinschlucht, aber wirklich jeden Dollar wert. Glücklicherweise bestätigten uns das auch gerade herauskommende Besucher, sodass wir die kurze Überlegung, den Canyon aufgrund des hohen Eintrittspreises vielleicht doch sausen zu lassen, schnell wieder verwarfen. Das wäre auch ein großer Fehler gewesen.

Nachdem wir uns dann in das Canyon-Buch eingetragen hatten und bemerkt hatten, dass heute offensichtlich zu über 70% nur Deutsche dagewesen waren, führte uns der Navajo-Führer zum Eingang des Canyons. Kurz vor dem Eingang gab es dann noch ein paar versteinerte Dinosaurierspuren zu sehen und obwohl ich vorher Bilder vom Eingang zum Lower Canyon gesehen hatte, war ich doch überrascht, wie eng dieser Eingang in Wirklichkeit aussah. Dies war wohl auch einer der Gründe, warum dieser Canyon erst Mitte der 30er Jahre von einem dort spielenden Navajo-Mädchen entdeckt wurde und vorher noch gar nicht bekannt war.

Wir stiegen also hinunter und waren innerhalb kürzester Zeit einfach nur noch begeistert. Hier zahlte sich nun auch aus, dass wir auf eigene Faust hier sein konnten, denn wir ließen uns jede Menge Zeit um den Anblick und die Ruhe hier unten zu geniessen.

Zu den Bildern gibt es nicht so viel zu sagen, schaut sie euch an. Das imposanteste war, dass man jedes Mal nur 1 m weitergehen musste, um einen völlig anderen Anblick zu haben. So klickte innerhalb der 90 Minuten, die wir hier verbrachten unsere Kamera fast 350 mal.

Auf dem letzten Bild in den nächsten Zeile ist Jana rechts unten zu sehen, daran kann man sehr gut die Größe des Canyons abschätzen, denn klein war der nicht, an den tiefsten Stellen ist er bis zu 20 Meter tief.

Den Rückweg nahmen wir nicht wie eigentlich angedacht an der Oberfläche, sondern drehten am Ende des Canyons um und gingen den Weg zurück. Nicht nur die wiederum ganz anderen Ansichten des Canyons, auch die niedrigeren Temperaturen hier unten waren Argumente, denen wir nicht widerstehen konnten, denn draußen hätten wir die Strecke bei immerhin locker 40 Grad und dazu noch in der prallen Sonne laufen müssen.

In der Zeit in der wir in diesem Canyon waren, begegneten uns etwa 8-10 Gruppen von Leuten. Und interessanterweise war nur eine amerikanische und eine französische unter ihnen, alle anderen waren deutsch. Die Franzosen fielen durch lautes Herumbrüllen auf, sodass wir froh waren, dass ihr Tempo deutlich höher war als unseres und sie den Canyon bald wieder verlassen hatten. Alle anderen Deutschen mit denen wir ins Gespräch gekommen waren, waren nett, eine Gruppe erzählte uns sogar von ihrem Vorhaben an einem der nächsten Tage, die „Wave“ zu besichtigen. Hier für braucht man Permits, die nur sehr schwer zu bekommen sind und einige an Ausdauer, um in dieser Hitze 4 Stunden durch die Wildnis zu stapfen. Dafür wird man mit einer wirklich einzigartigem Landschaft belohnt.

Nachdem die Navajo-Führer uns sogar noch mit einer kostenlosen Flasche Wasser versorgt hatten, fuhren wir in Page erstmal zum Einkaufen, um uns mit Verpflegung und Getränken für die nächsten Tage einzudecken. Bei der Hitze hier tranken wir beide automatisch sehr viel, interessanterweise schwitzten wir aber kaum. Durch die sehr niedrige Luftfeuchtigkeit verdunstete der Schweiß wie von selbst ohne dass man wirklich bemerkte, dass man schwitzte. Dies bemerkten wir auch daran, dass wir trotz täglich etwa 3-5 Liter Flüssigkeitszunahme nur außergewöhnlich selten das stille Örtchen aufsuchen mussten.

Im Supermarkt in Page machten wir dann sehr interessante Erfahrungen mit einigen Navajos. Diese waren so ziemlich exakt das Gegenteil von den Amerikanern, wie wir sie in den letzten Tagen kennengelernt hatten. Die Navajos waren unfreundlich, wie wir es selbst von den griesgrämigsten Menschen nicht kannten. Sie wichen einem im Supermarkt ganz bewusst nicht aus, obwohl sie sahen, dass man an ihnen vorbei wollte, usw. Für uns war das wirklich ein Schock. Da uns dies jedoch auch im Monument Valley und in Kayenta, wenn auch in beiden nicht so extrem, aufgefallen war, liegt es wohl wirklich daran, dass die Navajos einfach so sind. Zumindest den Weißen gegenüber. Und das, obwohl gerade hier in dieser Gegend ja schon einige vom Tourismus lebten.

Nach dem Einkauf ging es gleich hinter Page am Glen Canyon Dam vorbei. Dieser Dam ist auf jeden Fall eine hervorragende Alternative zum Hoover Dam, den wir später auch noch besucht hatten. Der Glen Canyon Dam ist zwar nicht ganz so groß wie der Hoover Dam, dafür aber wesentlich besser einsehbar, da man direkt vor ihm auf einer Brücke vorbeifahren kann und dort eine herrliche Aussicht auf den Damm hat - und sowohl das Parken als auch eine Führung ist kostenlos. Die Führung durch den Damm machten wir nicht mit, aber wir besuchten das Visitor Center. Hier fiel uns mal wieder das völlig unlogische Sicherheitssystem der Amis auf. Wenn man vor dem Visitor Center steht, könnte man seine Panzerfaust auspacken und damit auf den Damm schießen, ohne dass man behelligt wird. Will man aber ins Visitor Center, muss man durch eine Sicherheitskontrolle, wo man mal wieder alle Taschen leeren muss, durch nen Metalldetektor muss, usw. Da standen 3 Beamten und weiter hinten saß nochmal eine – und das für gerade mal etwa 6-8 Besucher in diesem Visitor Center. Wirklich kurios diese Szenerie ;)

Der Damm und auch die Gegend mit dem Lake Powell war sehr schön zu besichtigen und von einigen Aussichtspunkten entlang unserer Strecke machten wir Fotos davon.

Nachdem wir am Glen Canyon Dam gesagt bekommen hatten, dass wir bis zum Bryce Canyon nur 2 Stunden brauchen würden, machten wir uns gleich auf den Weg. Eigentlich wollten wir erst am späteren Abend ankommen und den Bryce erst am nächsten Tag besichtigen, aber nachdem wir so gut in der Zeit lagen, entschlossen wir uns nun doch zum Sonnenuntergang schon im Canyon sein zu wollen. Also fuhren wir wieder eine schöne Strecke entlang, bei der wir am Horizont auch einmal einige Waldbrände entdeckten.

Am Red Rock Canyon vorbei, der kurz vor dem Bryce Canyon liegt und dann gings erstmal zum Sunset Point im Bryce, wo wir blieben, bis die Sonne untergegangen war. Dies war leider deutlich weniger spektakulär als wir uns das vorgestellt hatten, da die Sonne nämlich auf der anderen Seite, quasi in unserem Rücken, zwischen den Bäumen unterging und gar nicht so, dass man den Canyon und die Sonne gleichzeitig beobachten hätte können.

Nachdem die Sonne untergegangen war, bemerkten wir sehr schnell, wie es kälter wurde. Wie auch schon beim Grand Canyon, war ohne die Sonne die Höhe dann doch recht schnell zu spüren. Immerhin waren wir hier über 2000 m hoch, was auch dazuführt, dass im Bryce sehr oft Schnee liegt, insgesamt über 200 Tage im Jahr.

Wir fuhren dann in unser Hotel, dem Foster’s. Dies lag nur etwa 5 Meilen vom Eingang des Parkes entlang und wir hatten hier vorreserviert, auch aus dem Gedanken heraus, dass wir hier eventuell später ankommen hätten können und der Hotelchef uns dann einen Schlüssel an der Steakhousetür deponieren hätte wollen, falls die Rezeption dan schon geschlossen wäre. Aber glücklicherweise waren wir vorher schon da. Denn wenn wir uns auf den Hotelchef verlassen hätten, wären wir verlassen gewesen und hätten vielleicht bei der Kälte hier im Auto schlafen müssen. Denn er hatte unsere Reservierung verbummelt. Glücklicherweise hatte er noch ein freies Zimmer, welches wir dann gleich bezogen. Im Nachhinein hätte ich es anders gemacht, das Best Western Ruby’s Inn direkt am Parkeingang, quasi „die Institution“ am Bryce Canyon hatte an ihrer LED-Reklame Zimmer für 77 $ ausgeschrieben. Unseres kostete zwar nur 50 $, war aber auch nicht gerade toll. Die Heizung war noch nicht angeschaltet, sodass ich den Chef erst darum bitten musste, was er aber dann auch gleich tat. Nichtsdestotrotz dauerte es fast eine Stunde, bis das Wasser warmgenug war, um damit zu duschen. Das Zimmer war zu 100% exakt dasselbe wie am Vortag in Bluff, nur nicht ganz so gut erhalten und nicht ganz so sauber. Aber selbst das Waschbecken und die Lampen waren gleich.

Das Steak, das wir vorher im Steakhouse gegessen hatten, war gut, aber für amerikanische Verhältnisse nicht unbedingt groß. War nicht schlimm, soviel Hunger hatten wir eh nicht.

Wir waren beide sehr kaputt, so langsam merkte man die ständigen Anstrengungen der vorangegangen fast 2 Wochen. Deshalb schliefen wir dann auch bald ein, vor allem da ich morgen zum Sonnenaufgang wieder am Canyon sein wollte. Jana war das zu stressig, sie beschloss schon am Vorabend, weiterzuschlafen und auf meine Rückkehr zu warten. Ich hatte geplant, nach dem Sonnenuntergang nochmal 2 Stunden zu schlafen und dass wir dann erst gegen 10 Uhr aufbrechen würden. Aber es kam anders ;)

 

 

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