Samstag, 02.07. / Tag 14

 

So langsam ging nun also unsere Reise zu Ende, heute war der letzte komplette Tag. Morgen sollte es zurück nach Deutschland gehen. Aber zuerst ging es nun darum, den letzten Tag noch zu nutzen.
Diese Wochenende war das verlängerte Wochenende vor dem Independence Day, daher war in uns um Las Vegas die Hölle los. Dies sollten wir im Laufe des Tages noch desöfteren zu spüren bekommen, aber dazu später mehr.

Der Tag begann gemütlich. Wir schliefen erstmal bis um etwa 9 Uhr, packten dann unsere Koffer und checkten im Stratosphere wieder über den Fernseher aus. Dann ging es erstmal zum Einkaufen in ein weiteres Outlet Center von Las Vegas. Dieses war etwas anders aufgebaut als die, in denen wir bisher waren, denn die Geschäfte befanden sich allesamt im Freien. Es war also nicht ein großes Gebäude indem viele Geschäfte waren. Durch die Hitze, die wir auch an diesem Tag hatten, wurde das zu einer anstrengenden Tour, rein in die eiskalten klimatisierten Geschäft und wieder raus in die heiße Luft. Wie schon erklärt schwitzte man bei dieser extrem trockenen Hitze kaum, sodass wir glücklicherweise nicht krank davon wurden, aber unangenehm war das trotzdem.

Uns begegnete auch eine Gruppe von jugendlichen Schwarzen, die sich diese wirklich peinlichen Sonnenbrillen gekauft hatten und die offensichtlich mehr als begeistert davon war.

Nach einer Kaffeepause bei Starbucks sollte es dann zum Hoover Dam gehen. Die ersten Meilen waren auch kein Problem, der Hoover Dam liegt etwa 30 Meilen von Las Vegas entfernt, also normalerweise innerhalb einer guten halben Stunde zu erreichen. Durch den Indepence Day war aber derart viel los auf den Straßen zum Hoover Dam, dass wir einige der letzten Meilen vor dem Dam nur im Stop and Go zurücklegten.

Wir überquerten den Dam und parkten auf der Arizona-Seite. Außer am untersten Parkplatz muss man dort auch keine Parkgebühr zahlen. Nachdem wir dann einen Parkplatz hatten und einige Meter gelaufen waren und einige Bilder gemacht hatten, entschlossen wir uns aber doch recht schnell wieder, zurück zum Auto und auch wieder zurück nach Las Vegas zu fahren. Die Temperaturen waren hier unerträglich (etwa bei 44 Grad Celsius), und da wären uns die vielleicht 600-1000 m Laufstrecke bis zum Visitor Center in der prallen Sonne einfach zu anstregend gewesen, zumal wir ja danach auch wieder zurück gehen hätten müssen. Also setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren zurück. Die nächsten Meilen standen wir dann wieder im Stau und irgendwann hatten wir auch wieder Las Vegas erreicht. Insgesamt hat uns diese Geschichte dann 3 Stunden Zeit gekostet, die wir auf jeden Fall anders auch sinnvoller hätten verbringen können. Und die Aussicht auf den Hoover Dam war auch längst nicht so gut wie auf den Glen Canyon Dam gewesen. Für alle, die sich nur einen von beiden anschauen können – nehmt den Glen Canyon Dam!

Nachdem wir in Vegas nochmal beim einkaufen waren – immerhin wollten wir das ein oder andere ja auch nach Deutschland mit zurücknehmen – ging es mit unserer Hotelbesichtigung weiter. Es standen ja doch noch eine ganze Reihe Hotels auf unserem Plan.

Los ging es mit dem Venetian, einer Nachbildung von Venedig nach amerikanischen Maßstäben. Es hatten vom Einrichtungsstil gewisse Ähnlichkeit mit dem Paris, auch von der Machart der Effekt wie des künstlichen Himmels her.

Jana und ich waren beide schon in Venedig, sodass wir prinzipiell nicht so wirklich positiv überrascht werden konnte. Die Gondelfahrten waren sogar noch teurer als in Venedig (was echt schon fast ne Kunst ist), für eine kleine Tour von vielleicht 5-8 Minuten muss man pro Person 15$ berappen. Und als wir einen Stand mit echtem italienischen Eis sahen, hatten wir sofort beide große Augen bekommen. Doch angesichts des Preises von 4,50$ für 1 Kugel war unser Appetit dann doch recht schnell wieder verflogen. Irgendwann hört der Spaß dann doch auf.

Auch die sonstige Inneneinrichtung und später dann der Außenbereich des Venetian hat uns sehr gut gefallen. Wir fuhren über einen gar nicht mal so schlechten Nachbau der Rialto-Brücke, über die eine Rolltreppe ging. Die Amis haben echt manchmal sehr eigenartige Varianten der Bequemlichkeit, aber lustig fanden wir das allemal.

Vom Venetian aus konnte man über eine Brücke über den Las Vegas Boulevard bis zum Treasure Island. Dort konnten wir zwar die Szenerie betrachten, das Spektakel, das dort jeden Abend nach Sonnenuntergang zelebriert wird aber nicht, da es eben noch zu früh war. Dieses Spektakel ist ein Piratenüberfall mit Schiffsschlacht und soll wohl wirklich sehr gut inszeniert sein.

Danach ging es wieder auf die andere Straßenseite zum Wynn. Dieses war erst einige Monate vorher eröffnet worden und zu diesem Zeitpunkt mit Baukosten von 2,7 Millarden Dollar das zweitteuerste Hotel der Welt nach dem Emirates Palace in Abu Dhabi. Dementsprechend hoch waren unsere Ansprüche. Und teilweise erfüllte es diesen Anspruch auch, teilweise aber nicht. Es ist auf jeden Fall sehr luxuriös eingerichtet und wirklich sehr exklusiv. Aber was uns beispielsweise im Vergleich zum Bellagio fehlte, war Stil. Denn so luxuriös das ganze war, so sah es auch aus, als wäre die Inneneinrichtung eher nach den Preisen der Einzelteilen ausgewählt worden als nach dem Zusammenharmonieren.

Und dass die Amis einen Spleen für Rolltreppen haben, war uns ja nun mittlerweile schon desöfteren aufgefallen, aber das was wir hier sahen, war einfach nur noch krank.

Der Rest der Tages war nun nicht mehr so spassig, sondern nur noch stressig.

Wir hatten für diese Nacht im Internet auf eine Empfehlung hin das Goldspike Hotel in der Nähe der Fremont Street gebucht. Diese Fremont Street, die früher einmal der Strip von Las Vegas war, war die Parallelstraße der Straße unseres Hotels. Nachdem wir nicht auf direktem Weg zum Hotel über den Las Vegas Boulevard gefahren waren, sondern hintenrum durch uns bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Straßen und diese Gegend nicht die beste gewesen war, schreckte uns die von außen doch sehr heruntergekommene Optik unseres gebuchten Hotels schon ein bisschen ab. Jana war es etwas mulmig zumute und sie sollte auch Recht behalten, als wir in das Hotel gingen. Wir hatten erstmal die Koffer im Zimmer gelassen und wollten uns nun das Hotelzimmer erstmal anschauen, aber sofort als wir durch den Eingang des Hotels in das Casino traten, sahen wir uns in einem schmuddeligen Film voller abgewrackter Leute. Als wir so durch die Reihen der Automaten bis zur Rezeption des Hotels gingen, hatten wir einige sehr verunsichernde Blicke bekommen. Nachdem unser Hotelzimmer aber eh schon vor Monaten über die Kreditkarte abgebucht worden war, holten wir uns trotzdem den Schlüssel, zur Not hätten wir den Abend dann einfach gemütlich vor dem Fernseher verbracht statt noch zur Fremont Street Experience zu gehen, wie wir es vorhatten. Genau deswegen hatten wir hier in der Gegend ja auch ein Hotel genommen. Aber es war noch tags und die Gestalten hier um unser Hotel rum waren nicht die vertrauenserweckendsten, wie sollte das hier erst nachts werden.

Unser Hotelzimmer war... naja. Also für den doch recht geringen Preis von 35 $ konnte man ja nichts besonderes erwarten und sehr mitgenommen war die Einrichtung auch. Wenigstens war es einigermaßen sauber. Im Bad waren aber doch schon einige Schimmelkulturen zu finden. Nunja, wie auch immer, wohl fühlen wir uns hier nicht. Also beschlossen wir, den Zimmerschlüssel wieder zurückzugeben und uns ein anderes Hotelzimmer zu suchen. Der Hotelportier hatte absolut Verständnis, er machte mir den Eindruck als wäre er solch ein Verhalten von einigen Leuten schon gewohnt gewesen. Dass wir unser Geld nicht zurückbekommen würden, war uns sowieso klar, aber jetzt auch egal.

Wir fuhren dann also wieder in „unser“ Stratosphere und stellten uns dort in die Schlange zur Rezeption an. Leider erfuhren wir dort, dass das Stratosphere ausgebucht war. Im Internetcafe des Stratosphere versuchten wir nun über das Netz ein anderes Zimmer zu buchen, aber dazu war es mittlerweile schon zu spät. Also setzen wir uns ins Auto und fuhren (oder standen hauptsächlich) bis zum Circus Circus. Diese war nicht so weit vom Stratosphere entfernt und war laut unseren Informationen auch nicht ganz so teuer. Mit unter 100 $ die Nacht rechneten wir ohnehin schon nicht mehr, immerhin war es Wochenende. Doch auch im Circus Circus konnte man uns nur sagen, dass man ausgebucht war. Also gings wieder ins Auto und wieder durch den gestauten Verkehr bis zum Sahara. Und auch dort hörten wir dasselbe, „absolutely sold out“.

Allerdings gab man uns dort eine Liste mit allen größeren Hotels in Las Vegas. So gut wie alle hatten gebührenfreie Nummern, sodass wir sie alle recht problemlos auch ohne Kleingeld von einem Münzfernsprecher im Sahara anrufen konnten. Nachdem wir allerdings in etwa 8-10 Hotel angerufen hatten und in keinem etwas anderes wie „totally sold out“ oder ähnliche Varianten davon gehört hatten, gaben wir auf. Las Vegas war komplett ausgebucht. Und bei um die 150.000 Hotelzimmern hier war das echt beeindruckend. Es war halt das Wochenende vor dem Independence Day.

Und blieb also doch nichts anderes übrig, als wieder zurück zum GoldSpike zu fahren und unser eigentlich schon wieder abgegebenes Zimmer erneut zu nehmen. Der Mann an der Rezeption gab uns ohne Probleme unseren Schlüssel wieder zurück, wir hatten also Glück, er hatte das Zimmer noch nicht anderweitig vermietet gehabt. Dann hätten wir wohl echt ein Problem gehabt. Ohne auf das Zimmer zu gehen, fuhren wir aber nun gleich erstmal was Essen. Wenn wir schon in diesem Hotel übernachtem mussten, wollten wir wenigstens den Rest des Abends noch woanders verbringen, irgendwo wo wir uns sicher fühlten.

Wir gingen dann was Essen in einem „Denny’s Diner“, einer der mittlerweile bei uns recht beliebten Restaurantkette.

Irgendwann fuhren wir dann ins Hotel zurück, huschten auf unser Zimmer und schliefen irgendwann ein.

 

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